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MOBYLETTES
"Wenn Gott Emma Peel wäre, dann wären die Mobylettes
die Hausband des Himmels." Glaubt man Rocko Schamoni,
so findet sich dieser Satz, liebevoll in Backstein geritzt, auf
einem Güterbahnhof nahe der Nordsee. Ob die Anekdote stimmt
oder nicht - sie ist zumindest glänzend ausgedacht. Hundertprozentig
wahr ist zumindest, dass "Girl Talk", das 1995
veröffentlichte Debüt der Mobylettes,
sogar einige Japaner vor Begeisterung Purzelbäume
schlagen ließ. Verantwortlich dafür waren Titel
wie "Wo gehobelt wird da fallen Späne" oder
"Geh' vorbei" (eine souveräne Bearbeitung
des Burt-Bacharach-Klassikers "Walk On By").
An der Platte waren verschiedene Größen der Hamburger
Szene beteiligt, zum Beispiel Knarf Rellöm, Mense
Reents (später Ego Express und Stella) und
Ted Gaier (als Produzent einiger Stücke). Dennoch wurde
Bandleaderin Diana Diamond bald darauf ihrem Ruf als charmante
Diktatorin gerecht: Sie feuerte ihre Begleiter. Keine falsche Entscheidung,
wenn man die danach entstandene Platte "Catch-as-catch-can!"
als Maßstab nimmt: Was vordergründig wirkt wie eine bloße
Hommage an Girl-Groups wie Shirelles, Ronettes oder
Supremes, entpuppt sich recht schnell als hintergründige
Abrechnung mit der 60er-Jahre-Romantik.
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Hier wird mit Elementen aus einer vergangenen Zeit gespielt - aber
nicht auf diese typisch deutsche Art, die sich immer mal wieder
im Zuge so genannter Schlagerrevivals offenbart. 1998 erschien dann
"Kicking The Clouds Away", eine Art Tribute
an George Gershwin. Die Platte hob sich positiv ab von den
zahllosen Gershwin-Platten, mit denen anlässlich des
100. Geburtstages des großen Komponisten der Markt überschwemmt
wurde. Diana Diamond und ihre Helferlein spielen hier 13 Klassiker
in Jukebox-tauglichen Arrangements, die geprägt sind von überdrehten
Backing Vocals und leiernden Hammond-Orgeln. Glaubt man gewöhnlich
gut unterrichteten Informanten, haben zumindest vier Menschen den
Mobylettes außergewöhnlich viel zu verdanken: Zwei
Ehen, so heißt es, seien während ihrer Konzerte geschlossen
worden. Wollte man eine diesbezügliche ewige Rangliste
mit Bands aus Hamburg aufstellen, stünden die Mobylettes -
und das ist jetzt durchaus halbwegs ernst gemeint - wahrscheinlich
in den Top Five. Sagen wir mal: knapp hinter den Rattles
und knapp vor Blumfeld.
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